BESCHNEIDUNG (ZIRKUMZISION)

Beschneidung

Der Eingriff wird auch medizinisch als Zirkumzision bezeichnet. Das ist die Ableitung von dem Lateinischen „circumcisio“, das für „Beschneidung“ steht. Die männliche Beschneidung bezeichnet die teilweise oder auch komplette Entfernung der Vorhaut. Sie wird sehr häufig weltweit durchgeführt und ist damit einer der häufigsten körperlichen Eingriffe, der durchgeführt wird. Üblich ist besonders die rituelle Beschneidung, die aus religiösen oder kulturellen Hintergründen stattfindet. Seltener findet dieser Eingriff aus medizinischen Gründen statt.

Heute sind weltweit geschätzt zwischen 25 und 33 Prozent der männlichen Bevölkerung beschnitten. Bei den Juden gilt dieser Eingriff bei gesunden Kindern, die den achten Lebenstag erreicht haben, als ein Gebot Gottes. Im Koran wird sie nicht ausdrücklich erwähnt, findet aber in islamischen geprägten Ländern eine starke Verbreitung und wird hier bei männlichen Kindern und Jugendlichen praktisch immer durchgeführt. Mit kulturellem Hintergrund gilt dieser Eingriff in vielen Kulturen als Initiationsritual, das die Aufnahme des Jugendlichen in die Erwachsenenwelt symbolisiert.

Wozu dient Beschneidung, was sind die Vorteile davon?

Mit religiösen Hintergrund hat dieser Eingriff das Ziel, den Jugendlichen in die religiöse Gemeinschaft als vollzähliges Mitglied aufzunehmen. Haben kulturelle Hintergründe diesen Eingriff zur Folge, dann symbolisiert der Eingriff den Übergang des Jugendlichen in die erwachsene männliche Gemeinschaft.

Gerade in westlichen Kulturen hat der Eingriff praktisch immer medizinische Hintergründe. Die Vorhautverengung, von der einige Kinder bereits als Babys betroffen sind, soll damit beseitigt werden. Die Verengung der Vorhaut bewirkt, dass diese nicht komplett zurück geschoben werden kann. Das wirkt sich einerseits darauf aus, dass eine optimale Hygiene innerhalb der Körperpflege nicht umgesetzt werden kann. Andererseits führt eine zu enge Vorhaut auch oftmals zu Problemen beim Urinieren. Das kann bei stark verengter Vorhaut so weit führen, dass diese sich mit Urin füllt und sich leicht blasenartig aufwölbt und der Urin nur sehr langsam abfließen kann. In diesem Fall wird der Eingriff dahingehend ausgeführt, dass entweder die komplette Vorhaut entfernt wird oder dass diese teilweise entfernt wird. Dabei ist es auch möglich, je nach Fall die Vorhaut chirurgisch nur einzuschneiden und so eine Lockerung dieser zu erreichen.

Welche Tradition erfüllt die Beschneidung bei muslimischen Jungen?

Innerhalb der Beschneidung ist das Alter des Kindes in islamischen Ländern sehr unterschiedlich. Der Zeitpunkt, wann der Eingriff durchgeführt wird, ist nicht genau fixiert und diese Entscheidung liegt bei den Eltern. Dabei findet der Eingriff zwischen dem siebten Tag nach der Geburt bis hin zum 14. Lebensjahr statt. Die Durchführung des Eingriffs gilt bei muslimischen jungen allerdings als insgesamt sehr bedeutsam. Üblicherweise findet der Eingriff um den Zeitpunkt der Einschulung statt. Viele Eltern entscheiden sich für den Eingriff allerdings auch im Säuglingsalter.

Ein wichtiger Aspekt innerhalb des Eingriffs ist das Beschneidungsfest, denn dieser Zeitpunkt gilt als Wendepunkt im Leben muslimischer Jungen. Das setzt voraus, dass dieser Anlass gebührend gefeiert wird. Zum Gelingen des Eingriffs wird das Fest bereits langfristig im Voraus geplant. Die Größe der Feier richtet sich nach den finanziellen Möglichkeiten der Eltern und Großeltern. Dabei gibt es eine große Feier, bei der das beschnittene Kind im Mittelpunkt steht und die gesamte Verwandtschaft zur Feier mit einem großen Menü zusammen findet. Dazu gehören zum Beschneidungsfest auch unbedingt die Gebete, die aus dem Koran vom sogenannten Hodscha vorgetragen werden und das gemeinsame Gebet der gesamten Gesellschaft. Das beschnittene Kind trägt als Mittelpunkt der Feierlichkeiten eine Beschneidungstracht.